Post Title: Bericht von der Vortragsreihe "Krise und reale Utopien, 2013 Am 25. und 26. März 2013 fanden im Medienkulturhaus Wels sowie am 10. April 2013 im Wissensturm Linz drei Abende zu alternativen Wirtschafts-, Bildungs- und Demokratiekonzepten statt. Untenstehend findet sich ein Bericht von der Vortragsreihe. Die dekoloniale Perspektive und partizipatorische Ökonomie Die derzeitigen Protestbewegungen in Europa und in den USA werden überwiegend als beispiellose und abgegrenzte Phänomene begriffen. Jedoch lässt sich erkennen, dass diese Bewegungen in der Ausformulierung ihrer Ziele und in ihren organisatorischen Praxen durchaus von zahlreichen Präzedenzfällen geprägt sind. Dario Azzellini nahm im ersten Vortragsblock eine de-koloniale Perspektive ein, um ausgehend von den in Lateinamerika stattfindenden Transformationsprozessen mögliche Zusammenhänge und Verbindungen zu gegenwärtigen Protestformen in Europa und in den USA zu ergründen. Er konzentrierte sich dabei auf den Übergang von einer repressiven Formaldemokratie zu protagonistischen Demokratieformen am Beispiel Venezuelas und nahm auch auf die von unten forcierte Einführung von ArbeiterInnenselbstverwaltung Bezug. Im Hinblick auf die gegenwärtige europäische Situation gab er Ausblick auf gemeinsame Zielperspektiven im Widerstand gegen ordoliberale Politik und in der Suche nach vermehrter politischer Teilhabe. Er gab jedoch auch zu bedenken, dass die Beispiele kommunaler Formen der Selbstverwaltung als mögliche Alternativmodelle gegen Eliten, Markt und Neokolonialismus in Europa nicht einfach kopiert werden können, sondern entsprechend adaptiert werden müssen. Die weiterführende gemeinsame Diskussion mit dem Publikum konzentrierte sich auf diese Fragen und suchte nach Wegen aus der Staatsschuldenkrise sowie einer neuen Rolle von Gewerkschaften und Zivilgesellschaft. Die Konstituierung des widerständigen Subjekts Im zweiten Block konzentrierte man sich auf die Rolle von Bildung für individuelle und kollektive Emanzipation. In seinem Referat ging Thomas Hellmuth ausgehend von einer Kritik eines verkürzten neoliberalen Bildungsbegriffs der Frage nach, welchen Beitrag (politische) Bildung für eine demokratische und sozial gerechte Gesellschaft leisten kann und welchen Gefahren sie unter neoliberalen Vorzeichen unterliegt? Michael Kraft reicherte den Ausblick auf eine kommende Gemeinschaft mittels einer postkolonialen Perspektive an. Er ging der Frage nach, inwiefern Bildung entweder Instrument der Befreiung oder der Domestizierung des Menschen sei (Paulo Freire) und versuchte ein ähnlich geartetes Bildungskonzept auch für den eurozentristischen Diskurs vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Krise fruchtbar zu machen. In der Diskussion wurde einerseits anhand von Metaphern wie Exzellenz, Wettbewerb, Employability, KundInnenorientierung, Kosteneffizienz, etc. auf die zunehmende Neoliberalisierung unseres Bildungssystems hingewiesen. Andererseits forderte man, aufgrund dieser gegenwärtig rein hypothetisch suggerierten Teilhabe eine Ausweitung des Bildungsbegriffs unter dem Aspekt des Widerstands ein („das widerständige Subjekt“). Auf der Suche nach der verlorenen Demokratie Im dritten und letzten Vortragsblock nahm man sich explizit dem Begriff der Demokratie an und versuchte anhand einer Initiative der Zivilgesellschaft (IG Demokratie) zu zeigen, dass spätestens seit der Wirtschaftskrise 2008 und den erstarkenden globalen Protestbewegungen, es Auseinandersetzungen um die inhaltliche Neubestimmung des Begriffs der Demokratie gibt. Stefan Schartlmüller stellte den Ansatz der IG Demokratie vor und verwies in seiner Forderung nach direkter Demokratie auf die aktuelle Repräsentationskritik in der österreichischen Politik und ein Votum für Inklusion und die Erfindung neuer sozialer Organisations- und Lebensweisen. Karin Fischer strich in ihrem Co-Referat die neuen Formen der politischen Teilhabe, die auf grundlegende Veränderungen von demokratischen Praxen hindeuten, hervor, brach allerdings auch eine Lanze für institutionalisierte Parteiverbände, da hier zumindest bestimmte Bevölkerungsschichten Zugang haben und sich einbringen können. Trotz all des Enthusiasmus‘ für diese neuen Formen demokratischer Partizipation wurde in der Diskussion auch klar, dass man auch hier die gesellschaftliche Konstitution und Klassenverhältnisse der AktivistInnen kritisch beleuchten müsse. Gefördert durch Normal 0 21 false false false DE-AT X-NONE X-NONE Normal 0 21 false false false DE-AT X-NONE X-NONE Selbstverwaltung und partizipatorische Ökonomie / Politische und emanzipatorische Bildung / Soziale Bewegungen und „echte Demokratie jetzt“ Spätestens seit der Weltwirtschaftskrise 2008 ist klar geworden, dass die Verschränkung von Demokratie und Kapitalismus per se nicht zum „Wohle aller“ wirkt, sondern in der real existierenden (Post-)demokratie Experten, Lobby-Gruppen und vor allem Wirtschaftseliten die politischen Prozesse und demokratischen Institutionen zunehmend unterwandern und zu ihren Gunsten gestalten. Vor diesem Hintergrund suchen Menschen und soziale Bewegungen wieder verstärkt alternative Formen von Demokratie und Wirtschaft zu befördern. Die Vortragsreihe soll dazu beitragen, einen kritischen Befund zur aktuellen Lage zu erarbeiten und der Frage nachzugehen, welche emanzipatorischen Entwürfe für soziale Transformation, Partizipation und soziale Gerechtigkeit derzeit diskutiert werden bzw. im Entstehen sind. An drei Abendterminen nehmen sich verschiedene ReferentInnen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft den Themen „Selbstverwaltung und partizipatorische Ökonomie“, „Politische und emanzipatorische Bildung in Zeiten eines neoliberalen Bildungsdiskurses“ sowie „Soziale Bewegungen für direkte Demokratie“ an. Normal 0 21 false false false DE-AT X-NONE X-NONE This page generation was powered by www.openasthra.com 11.20.2017 02:47am EST Bericht von der Vortragsreihe “Krise und reale Utopien, 2013

Bericht von der Vortragsreihe “Krise und reale Utopien, 2013




   

Am 25. und 26. März 2013 fanden im Medienkulturhaus Wels sowie am 10. April 2013 im Wissensturm Linz drei Abende zu alternativen Wirtschafts-, Bildungs- und Demokratiekonzepten statt.

Untenstehend findet sich ein Bericht von der Vortragsreihe.

powered by Wordpress Multibox Plugin v1.3.5

Ankündigung

Die dekoloniale Perspektive und partizipatorische Ökonomie

Die derzeitigen Protestbewegungen in Europa und in den USA werden überwiegend als beispiellose und abgegrenzte Phänomene begriffen. Jedoch lässt sich erkennen, dass diese Bewegungen in der Ausformulierung ihrer Ziele und in ihren organisatorischen Praxen durchaus von zahlreichen Präzedenzfällen geprägt sind. Dario Azzellini nahm im ersten Vortragsblock eine de-koloniale Perspektive ein, um ausgehend von den in Lateinamerika stattfindenden Transformationsprozessen mögliche Zusammenhänge und Verbindungen zu gegenwärtigen Protestformen in Europa und in den USA zu ergründen. Er konzentrierte sich dabei auf den Übergang von einer repressiven Formaldemokratie zu protagonistischen Demokratieformen am Beispiel Venezuelas und nahm auch auf die von unten forcierte Einführung von ArbeiterInnenselbstverwaltung Bezug. Im Hinblick auf die gegenwärtige europäische Situation gab er Ausblick auf gemeinsame Zielperspektiven im Widerstand gegen ordoliberale Politik und in der Suche nach vermehrter politischer Teilhabe. Er gab jedoch auch zu bedenken, dass die Beispiele kommunaler Formen der Selbstverwaltung als mögliche Alternativmodelle gegen Eliten, Markt und Neokolonialismus in Europa nicht einfach kopiert werden können, sondern entsprechend adaptiert werden müssen. Die weiterführende gemeinsame Diskussion mit dem Publikum konzentrierte sich auf diese Fragen und suchte nach Wegen aus der Staatsschuldenkrise sowie einer neuen Rolle von Gewerkschaften und Zivilgesellschaft.

Die Konstituierung des widerständigen Subjekts

Im zweiten Block konzentrierte man sich auf die Rolle von Bildung für individuelle und kollektive Emanzipation. In seinem Referat ging Thomas Hellmuth ausgehend von einer Kritik eines verkürzten neoliberalen Bildungsbegriffs der Frage nach, welchen Beitrag (politische) Bildung für eine demokratische und sozial gerechte Gesellschaft leisten kann und welchen Gefahren sie unter neoliberalen Vorzeichen unterliegt? Michael Kraft reicherte den Ausblick auf eine kommende Gemeinschaft mittels einer postkolonialen Perspektive an. Er ging der Frage nach, inwiefern Bildung entweder Instrument der Befreiung oder der Domestizierung des Menschen sei (Paulo Freire) und versuchte ein ähnlich geartetes Bildungskonzept auch für den eurozentristischen Diskurs vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Krise fruchtbar zu machen. In der Diskussion wurde einerseits anhand von Metaphern wie Exzellenz, Wettbewerb, Employability, KundInnenorientierung, Kosteneffizienz, etc. auf die zunehmende Neoliberalisierung unseres Bildungssystems hingewiesen. Andererseits forderte man, aufgrund dieser gegenwärtig rein hypothetisch suggerierten Teilhabe eine Ausweitung des Bildungsbegriffs unter dem Aspekt des Widerstands ein („das widerständige Subjekt“).

powered by Wordpress Multibox Plugin v1.3.5

Publikum

Auf der Suche nach der verlorenen Demokratie

Im dritten und letzten Vortragsblock nahm man sich explizit dem Begriff der Demokratie an und versuchte anhand einer Initiative der Zivilgesellschaft (IG Demokratie) zu zeigen, dass spätestens seit der Wirtschaftskrise 2008 und den erstarkenden globalen Protestbewegungen, es Auseinandersetzungen um die inhaltliche Neubestimmung des Begriffs der Demokratie gibt. Stefan Schartlmüller stellte den Ansatz der IG Demokratie vor und verwies in seiner Forderung nach direkter Demokratie auf die aktuelle Repräsentationskritik in der österreichischen Politik und ein Votum für Inklusion und die Erfindung neuer sozialer Organisations- und Lebensweisen. Karin Fischer strich in ihrem Co-Referat die neuen Formen der politischen Teilhabe, die auf grundlegende Veränderungen von demokratischen Praxen hindeuten, hervor, brach allerdings auch eine Lanze für institutionalisierte Parteiverbände, da hier zumindest bestimmte Bevölkerungsschichten Zugang haben und sich einbringen können. Trotz all des Enthusiasmus‘ für diese neuen Formen demokratischer Partizipation wurde in der Diskussion auch klar, dass man auch hier die gesellschaftliche Konstitution und Klassenverhältnisse der AktivistInnen kritisch beleuchten müsse.

Gefördert durch

powered by Wordpress Multibox Plugin v1.3.5

logo_oegpb

Selbstverwaltung und partizipatorische Ökonomie /

Politische und emanzipatorische Bildung /

Soziale Bewegungen und „echte Demokratie jetzt“

Spätestens seit der Weltwirtschaftskrise 2008 ist klar geworden, dass die Verschränkung von Demokratie und Kapitalismus per se nicht zum „Wohle aller“ wirkt, sondern in der real existierenden (Post-)demokratie Experten, Lobby-Gruppen und vor allem Wirtschaftseliten die politischen Prozesse und demokratischen Institutionen zunehmend unterwandern und zu ihren Gunsten gestalten.

Vor diesem Hintergrund suchen Menschen und soziale Bewegungen wieder verstärkt alternative Formen von Demokratie und Wirtschaft zu befördern.

Die Vortragsreihe soll dazu beitragen, einen kritischen Befund zur aktuellen Lage zu erarbeiten und der Frage nachzugehen, welche emanzipatorischen Entwürfe für soziale Transformation, Partizipation und soziale Gerechtigkeit derzeit diskutiert werden bzw. im Entstehen sind.

An drei Abendterminen nehmen sich verschiedene ReferentInnen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft den Themen „Selbstverwaltung und partizipatorische Ökonomie“, „Politische und emanzipatorische Bildung in Zeiten eines neoliberalen Bildungsdiskurses“ sowie „Soziale Bewegungen für direkte Demokratie“ an.

  • Facebook
  • Twitter
  • MySpace
  • HelloTxt
  • RSS